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Taubenvergrämung: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht
Warum professionelle Taubenabwehr mehr bedeutet, als ein paar Spikes oder Netze anzubringen
Tauben gehören in unseren Städten längst zum Alltag. Wir sehen sie auf Dächern, an Fassaden, unter Brücken oder auf Industriegebäuden. Solange es nur einzelne Tiere sind, stört sich kaum jemand daran. Problematisch wird es allerdings, wenn sich größere Taubenbestände dauerhaft an einem Gebäude ansiedeln.
Dann geht es schnell um mehr als ein paar verschmutzte Fensterbänke. Taubenkot, Nistmaterial, Federn und Parasiten können erhebliche Probleme verursachen. Für Gebäudeeigentümer, Unternehmen und Hausverwaltungen entstehen daraus nicht selten hohe Kosten.
Die naheliegende Lösung ist häufig eine Taubenvergrämung. Ein Fachbetrieb wird beauftragt, Spikes werden montiert, Netze gespannt oder andere Abwehrsysteme installiert. Anschließend sind die Tauben verschwunden und der Auftrag gilt als erledigt.
Aber sind die Tauben wirklich verschwunden? Oder sitzen sie jetzt einfach auf dem Nachbargebäude?
Genau hier beginnt für mich der Unterschied zwischen einer einfachen Taubenabwehr und einem professionellen Taubenmanagement.
Taubenkot ist mehr als nur ein optisches Problem
Wer schon einmal einen Dachboden betreten hat, auf dem über Jahre Tauben gelebt und gebrütet haben, weiß, welche Mengen an Kot und Nistmaterial dort zusammenkommen können.
Diese Hinterlassenschaften sind nicht nur unangenehm anzusehen. Sie können auch die Bausubstanz erheblich belasten.
Taubenkot und die damit verbundenen Feuchtigkeitsbelastungen können empfindliche Oberflächen und Beschichtungen schädigen. Besonders betroffen sind häufig Fassaden, Fensterbänke, Dachkonstruktionen und technische Anlagen. Hinzu kommen verstopfte Dachrinnen und Abläufe, wenn sich Kot, Federn und Nistmaterial über längere Zeit ansammeln.
Bei Industrie- und Gewerbegebäuden kann die Verschmutzung außerdem zu hygienischen Problemen führen. Gerade in lebensmittelverarbeitenden Betrieben, Lagerhallen oder Produktionsbereichen sind solche Zustände nicht akzeptabel.
Und wer die Ablagerungen später beseitigen muss, stellt häufig fest, dass eine professionelle Reinigung deutlich aufwendiger und teurer ist als ursprünglich angenommen.
Welche Gefahren bestehen für den Menschen?
Neben den Schäden an Gebäuden dürfen wir die gesundheitlichen Risiken nicht außer Acht lassen.
Tauben können verschiedene Krankheitserreger mit sich führen oder über ihre Ausscheidungen verbreiten. Dazu gehören unter anderem Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter und Chlamydia psittaci.
Letzterer ist der Erreger der Ornithose, einer Infektionskrankheit, die beim Menschen unter anderem schwere Atemwegserkrankungen verursachen kann.
Auch Pilze können in mit Vogelkot belasteten Bereichen eine Rolle spielen. Insbesondere bei umfangreichen Reinigungsarbeiten besteht die Gefahr, dass kontaminierte Stäube aufgewirbelt und eingeatmet werden.
Daneben können Tauben verschiedene Viren tragen. Allerdings muss man hier fachlich sauber unterscheiden: Nicht jedes Virus, das bei Tauben vorkommt, stellt automatisch eine Gefahr für Menschen dar. Das tatsächliche Infektionsrisiko hängt immer vom jeweiligen Erreger und der Art des Kontakts ab.
Ich halte es für wichtig, solche Risiken weder herunterzuspielen noch unnötig dramatisch darzustellen.
Nicht jede Taube macht krank. Aber größere Kotansammlungen und dauerhaft besiedelte Gebäudebereiche gehören hygienisch bewertet.
Das gilt besonders dort, wo Menschen regelmäßig arbeiten, Lebensmittel verarbeitet werden oder empfindliche Personen betroffen sein können.
Wenn die Tauben verschwinden, bleiben die Parasiten
Ein Thema, das bei der Taubenvergrämung häufig unterschätzt wird, sind die sogenannten Sekundärschädlinge.
Dazu gehören beispielsweise Taubenflöhe, Vogelmilben und vor allem die Taubenzecke.
Die Taubenzecke (Argas reflexus) ist dabei besonders interessant. Sie lebt bevorzugt in der Nähe von Taubenbrutplätzen und versteckt sich tagsüber in Ritzen, Spalten und Hohlräumen.
Solange ausreichend Tauben vorhanden sind, findet sie dort ihre Blutwirte.
Werden die Tauben nun plötzlich ausgesperrt, kann ein neues Problem entstehen: Die Zecken suchen unter Umständen nach anderen Wirten. Dabei können sie auch in angrenzende Wohnungen oder andere genutzte Gebäudebereiche gelangen.
Taubenzecken können Menschen stechen und teilweise erhebliche allergische Reaktionen auslösen.
Ähnliche Probleme können durch Taubenflöhe und bestimmte Vogelmilben entstehen.
Deshalb reicht es nicht aus, einfach ein Netz vor einen ehemaligen Brutplatz zu spannen und die Angelegenheit damit für erledigt zu erklären.
Vorher muss geprüft werden, welche Belastungen vorhanden sind, ob sich Parasiten angesiedelt haben und welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich werden könnten.
Sonst haben wir zwar die Tauben ausgesperrt, dafür aber möglicherweise ein ganz anderes Schädlingsproblem geschaffen.
Das eigentliche Problem: Wir betrachten häufig nur ein einziges Gebäude
Kommen wir zu einem Punkt, den ich bei der Planung von Taubenvergrämungen für besonders wichtig halte.
In der Praxis wird häufig ausschließlich das Gebäude betrachtet, für das der Auftrag erteilt wurde.
Ein Unternehmen hat beispielsweise Probleme mit Tauben auf seiner Produktionshalle. Also wird ein Fachbetrieb beauftragt, geeignete Abwehrmaßnahmen zu installieren.
Die Dachkanten werden gesichert, mögliche Brutplätze verschlossen und die betroffenen Bereiche mit Netzen oder Spikes geschützt.
Technisch ist die Arbeit möglicherweise einwandfrei ausgeführt.
Die Tauben können dort nicht mehr landen oder brüten.
Doch was passiert jetzt?
Vielleicht steht direkt neben der Halle ein weiteres Gebäude. Vielleicht gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein ungeschütztes Dach. Oder die Tauben finden unter einer benachbarten Überdachung neue Sitz- und Brutplätze.
Genau dorthin weichen sie aus.
Das ursprüngliche Gebäude ist jetzt geschützt. Das Taubenproblem besteht aber weiterhin, möglicherweise nur wenige Meter entfernt.
Wir haben die Tauben nicht nachhaltig vergrämt. Wir haben sie lediglich verdrängt.
Und genau das ist ein entscheidender Unterschied.
Tauben interessieren sich nicht für Grundstücksgrenzen
Tauben nutzen ihren Lebensraum unabhängig davon, wem ein Gebäude gehört oder wo eine Grundstücksgrenze verläuft.
Sie haben ihre gewohnten Ruheplätze, Brutstandorte und Nahrungsquellen. Oft sind diese über mehrere Gebäude verteilt.
Wenn wir nun einen einzelnen Bereich unzugänglich machen, verschwinden diese Bedürfnisse nicht.
Die Tiere suchen nach anderen geeigneten Möglichkeiten.
Deshalb muss eine professionelle Taubenvergrämung aus meiner Sicht immer mit einer Betrachtung des gesamten Umfeldes beginnen.
Wo halten sich die Tauben tagsüber auf? Wo brüten sie? Welche Gebäude nutzen sie als Ruheplätze? Wo finden sie Nahrung? Und vor allem: Welche Ausweichmöglichkeiten entstehen, wenn wir die geplanten Maßnahmen umsetzen?
Diese Fragen gehören bereits in die Bestandsaufnahme.
Natürlich bedeutet das nicht, dass wir grundsätzlich sämtliche Nachbargebäude mit Abwehrsystemen ausstatten müssen.
Aber wir müssen sie zumindest fachlich bewerten und mögliche Auswirkungen unserer Maßnahmen berücksichtigen.
Bei größeren Objekten kann es sinnvoll sein, benachbarte Eigentümer oder Hausverwaltungen frühzeitig einzubeziehen.
Denn was nützt es langfristig, wenn die Tauben zwar nicht mehr auf der eigenen Dachkante sitzen, dafür aber auf dem Nachbargebäude brüten und regelmäßig wieder in den ursprünglichen Bereich zurückkehren?
Spikes und Netze sind Werkzeuge, aber noch kein Konzept
Es gibt heute eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme zur Taubenabwehr.
Spikes, Spanndrähte, Netze und verschiedene bauliche Schutzmaßnahmen können durchaus sinnvoll und wirksam sein.
Entscheidend ist aber, wo und wie sie eingesetzt werden.
Ein Spikesystem kann verhindern, dass Tauben auf einer bestimmten Fensterbank landen. Ein fachgerecht montiertes Netz kann einen Dachbereich dauerhaft vor dem Einflug schützen.
Beides bedeutet aber noch lange nicht, dass damit auch das eigentliche Taubenproblem gelöst ist.
Hinzu kommt, dass falsch ausgewählte oder unsachgemäß montierte Systeme selbst Probleme verursachen können. Unzureichend befestigte Netze können zur Gefahr für Tiere werden. Schlecht gesicherte Anschlussbereiche bieten möglicherweise neue Nistmöglichkeiten.
Und auch der Tierschutz darf nicht ver