Was ändert sich ab 2026 bei Rodentiziden?

Ab 2026 stehen bedeutende Änderungen im Bereich der Rodentizide bevor, die insbesondere Landwirte, Lagerbetreiber und alle, die mit der Schädlingsbekämpfung zu tun haben, betreffen werden. Ziel dieser Änderungen ist es, die Umweltauswirkungen und das Risiko für Nichtzielorganismen zu minimieren, während gleichzeitig eine effektive Nagerkontrolle gewährleistet bleibt.

Die genauen Details der ab 2026 in Kraft tretenden Änderungen werden durch eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung der europäischen Biozid-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 bestimmt. Es wird erwartet, dass die Verfügbarkeit bestimmter hochwirksamer Rodentizide, insbesondere solcher der zweiten Generation (Antikoagulanzien), weiter eingeschränkt wird. Dies kann bedeuten:

  • Einschränkung der Wirkstoffe: Einige Wirkstoffe könnten vom Markt genommen oder ihre Anwendung stark reglementiert werden. Dies betrifft vor allem solche, die als besonders persistent, bioakkumulierbar und toxisch (PBT) oder sehr persistent und sehr bioakkumulierbar (vPvB) eingestuft werden.
  • Verschärfte Anwendungsauflagen: Für verbleibende Rodentizide werden die Auflagen für deren Anwendung voraussichtlich strenger. Dies könnte bedeuten, dass der Einsatz nur noch von geschultem Personal, in bestimmten Situationen oder in Kombination mit anderen Methoden erlaubt ist.
  • Fokus auf Prävention und Monitoring: Es wird eine stärkere Betonung auf präventive Maßnahmen und das Monitoring von Nagetierpopulationen gelegt, bevor Rodentizide überhaupt zum Einsatz kommen dürfen.
  • Reduzierung der Ausbringungsmenge und -häufigkeit: Um die Umweltbelastung zu minimieren, könnten maximale Ausbringungsmengen und -häufigkeiten für Rodentizide festgelegt werden.

Was ist nicht mehr erlaubt?

Es ist wahrscheinlich, dass der permanente Einsatz von Rodentiziden zur Vorbeugung (Dauerbeköderung), insbesondere in Außenbereichen oder in Bereichen ohne akuten Befall, weitgehend untersagt wird. Dieser präventive Dauergebrauch birgt hohe Risiken für Nichtzielorganismen wie Greifvögel oder andere Wildtiere, die vergiftete Nagetiere fressen. Auch der unvorsichtige oder unkontrollierte Einsatz von Rodentiziden durch nicht geschultes Personal wird stärker geahndet werden.

Wie kann ich weiterhin Sicherheit für meinen Betrieb garantieren?

Die Umstellung erfordert ein Umdenken in der Schädlingsbekämpfung. Sicherheit für Ihren Betrieb kann weiterhin gewährleistet werden durch:

  1. Ganzheitliches Integriertes Schädlingsmanagement (IPM): Dies ist der Schlüssel. IPM ist ein nachhaltiger Ansatz zur Schädlingsbekämpfung, der biologische, biotechnologische, chemische, physikalische und anbautechnische Maßnahmen integriert, um Schädlingspopulationen unterhalb eines wirtschaftlich oder gesundheitlich relevanten Schwellenwerts zu halten. Für die Nagetierkontrolle bedeutet dies:
    • Hygiene und bauliche Maßnahmen: Entfernen von Nahrungsquellen, ordnungsgemäße Lagerung, Abdichten von Zugängen (Risse in Wänden, undichte Türen/Fenster, Rohrdurchführungen).
    • Regelmäßige Inspektionen: Früherkennung von Befall.
    • Natürliche Fressfeinde: Förderung von Eulen, Bussarden und anderen natürlichen Fressfeinden.
    • Einsatz von Rodentiziden nur im Bedarfsfall: Und dann nur gezielt und unter strenger Einhaltung der Anwendungsbestimmungen.
  2. Verstärktes Monitoring: Bevor Rodentizide zum Einsatz kommen, muss ein Befall nachgewiesen werden. Dies erfordert ein effektives und kontinuierliches Monitoring.
  3. Schulung und Fachwissen: Investieren Sie in die Schulung Ihrer Mitarbeiter oder beauftragen Sie spezialisierte Schädlingsbekämpfer, die mit den neuen Regelungen vertraut sind und IPM-Strategien anwenden können.

Möglichkeiten von giftfreiem Monitoring

Giftfreie Monitoring-Methoden werden zunehmend wichtiger, um Nagetierpopulationen zu überwachen und Befälle frühzeitig zu erkennen:

  • Traditionelle Schlagfallen: Diese sind weiterhin nützlich, um die Präsenz von Nagetieren zu bestätigen und erste Hinweise auf die Befallsdichte zu geben. Sie sind zwar tödlich für die Tiere, aber sie enthalten keine Giftstoffe und stellen daher kein Risiko für Sekundärvergiftungen dar.
  • Indikator-Köder (nicht-toxisch): Dies sind Köder auf Wachs- oder Pastenbasis, die keine Giftstoffe enthalten, aber von Nagetieren angenommen werden. Anhand der Annahme der Köder kann festgestellt werden, wo sich Nagetiere aufhalten und wie aktiv sie sind. Die Köder können Farbstoffe enthalten, die im Kot der Tiere nachweisbar sind, was weitere Hinweise auf Aktivitätsbereiche gibt.
  • UV-aktive Spuren: Spezielle Pulver oder Flüssigkeiten, die unter UV-Licht sichtbar sind, können ausgebracht werden, um Laufwege und Aktivitätsbereiche von Nagetieren zu identifizieren, ohne Giftstoffe zu verwenden.

Digitale Schlagfallen-Systeme

Digitale Schlagfallen-Systeme repräsentieren einen großen Fortschritt im giftfreien Monitoring und in der effektiven Nagetierkontrolle. Sie bieten eine Reihe von Vorteilen:

  • Echtzeit-Meldung: Die Fallen sind mit Sensoren ausgestattet, die bei einem Fang sofort eine Meldung an eine zentrale Überwachungsplattform oder direkt auf ein Smartphone senden. Dies ermöglicht eine sofortige Reaktion und die schnelle Beseitigung des gefangenen Tieres.
  • Datenerfassung und Analyse: Die Systeme erfassen Daten über Fangorte, Fangzeiten und die Anzahl der gefangenen Tiere. Diese Daten können analysiert werden, um Befallsschwerpunkte zu identifizieren, Aktivitätsmuster der Nagetiere zu erkennen und die Wirksamkeit der Bekämpfungsmaßnahmen zu bewerten.
  • Effizienzsteigerung: Durch die Echtzeit-Meldungen entfallen regelmäßige manuelle Kontrollen aller Fallen, was Zeit und Ressourcen spart. Man muss nur noch dorthin gehen, wo ein Fang gemeldet wurde.
  • Verbesserte Hygiene: Gefangene Tiere können schneller entfernt werden, was die Hygiene verbessert und die Ausbreitung von Krankheiten durch Nagetiere reduziert.
  • Vermeidung von Sekundärvergiftungen: Da es sich um mechanische Fallen handelt, die giftfrei sind, besteht keine Gefahr von Sekundärvergiftungen für andere Tiere oder die Umwelt.
  • Automatisierung und Fernwartung: Einige Systeme ermöglichen sogar eine Fernwartung oder automatische Anpassungen basierend auf den gesammelten Daten.

Die Bedeutung der Integration von IPM

Die Integration von IPM ist nicht nur eine Reaktion auf die neuen Vorschriften, sondern eine Notwendigkeit für eine langfristig erfolgreiche und nachhaltige Schädlingsbekämpfung. Ohne ein umfassendes IPM-Konzept werden die Herausforderungen durch die neuen Rodentizid-Beschränkungen kaum zu bewältigen sein. IPM reduziert die Abhängigkeit von chemischen Mitteln, schont die Umwelt und schützt die Gesundheit von Mensch und Tier. Es ermöglicht eine proaktive statt einer reaktiven Schädlingsbekämpfung und sichert so die Kontinuität und Sicherheit des Betriebs auch unter veränderten Rahmenbedingungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ab 2026 erwarteten Änderungen im Bereich der Rodentizide eine Chance sind, die Schädlingsbekämpfung zu modernisieren und nachhaltiger zu gestalten. Die Investition in giftfreie Monitoring-Methoden, insbesondere digitale Schlagfallensysteme, und die konsequente Umsetzung eines Integrierten Schädlingsmanagements sind entscheidend, um auch in Zukunft die Sicherheit des Betriebs zu gewährleisten und den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.